Frauen in der Politik

Sie möchten in die Politik gehen? Lobenswert. Wir brauchen Sie. Und Sie brauchen eine ganze Reihe von Charaktereigenschaften in besonders ausgeprägter Form –  neben dem vielzitierten Haarspray, der Ihre Frisur in Ordnung hält, wenn Ihnen der Gegenwind ins Gesicht bläst. Schauen Sie gut hin, was sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel derzeit in den Medien gefallen lassen oder was Ursula von der Leyen an Angriffen über sich ergehen lassen muss. Und es dürfte nicht lange dauern, bis die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, für igend etwas, was sie hätte tun oder lassen sollen, in die Schusslinie gerät…

 

Wechsel nach 15 Jahren: Von der Opposition in die Regierungsverantwortung

aung_san_suu_kyi104Unter den verschiedenen Charaktereigenschaften, die Frauen besonders auszeichnen, wird häufig Beharrlichkeit genannt. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die nach fünfzehn Jahren – zehn Jahre Hausarrest und fünf Jahre Wahlkampf –  endlich den Moment erleben durfte, als ihre Oppositionspartei in den jüngsten Wahlen in Myanmar den Wahlsieg gewann, und zwar so eindrücklich, dass sie die absolute Mehrheit im Parlament errungen hat. Zwar kann sie selbst nicht Präsidentin werden, weil sie einen ausländischen Pass hat (sie war mit einem Engländer verheiratet), aber ihre Partei wird aus der Oppositionsrolle in ddie Regierungsverantwortung wechseln. Es ist ihr zu wünschen, dass sie ihr Szenario für ihr Land, für das sie so lange gekämpft hat, verwirklicht sehen wird.

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Gehen, wenn es am schönsten ist

Unter dem Titel «Die Beharrliche» hat die ZEIT unserer abtretenden Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf ein grosses Porträt gewidmet. Die Journalistin Alice Wanner lässt von Anfang an keinen Zweifel daran, wo sie steht: „Die Finanzministerin Widmer-Schlumpf war ein Glücksfall für die Schweizer Medien. Jetzt tritt sie zurück. Unter widrigen Umständen ist sie zur Bestform aufgelaufen.“ Lesenswert!

 

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Erfahrung als Trumpfkarte

Dhillary_kleinerzeit haben die Republikaner in den USA offenkundig Mühe, sich für einen ernst zu nehmenden Kandidaten zu entscheiden. Eine ernst zu nehmende Kandidatin ist kein Thema, denn das können nur die Demokraten vorweisen. Man mag Hillary Clinton mögen oder nicht, aber niemand kann ihr die über Jahrzehnte erworbene Erfahrung auf dem politischen Parkett absprechen. Und wenn auch Erfahrung nicht alles ist (George Bernard Shaw hat das mit einem Aphorismus auf den Punkt gebracht: „Manche Menschen halten das für Erfahrung, was sie zwanzig Jahre lang falsch gemacht haben.“), so ist es doch höchst erstaunlich, wie sich jemand zutraut, Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden, ohne einen einzigen Tag aktiv in der Politik gewesen zu sein.

 

Leider verdienen nicht alle Applaus…

carly_fiorinaIn der Tat: Carly Fiorina, die Frau, die sich für das Präsidentenamt auf republikanischer Seite bewirbt, kann – mit Ausnahme eines verlorenen Wahlkampfes in Kalifornien – auf keinerlei politische Erfahrung zurückblicken. Woher nimmt sie die Vermessenheit, sich für das (immer noch?) wichtigste Amt der Weltpolitik zu bewerben? Nun, die ehemalige CEO von Hewlett-Packard glaubt, es genüge, ein Unternehmen der «Fortune 500» geführt zu haben; ob gut oder schlecht – wen kümmert’s? Jedenfalls wird sie nicht müde, ihre Management-Erfahrung als Qualifikation ins Feld zu führen.

Genügt das? Machen Sie sich selbst ein Bild von dieser Frau, die sich selbst dermassen überschätzt. Ich habe aus den vielen Artikeln, die über sie erschienen sind, einen gewählt, der vor ein paar Monaten in «FORTUNE» erschienen ist. Unter dem Titel «Carly Fiorina as a boss: The disappointing truth» präsentiert der Journalist Jeffrey Sonnenfeld die vernichtende Bilanz einer Frau, die weder politisches Know-how erworben, noch sich als Top-Managerin bewährt hat.

Ihre Chancen im Präsidentenkarussell sind minim, aber leider gibt sie kein Vorbild ab für (junge) Frauen, die sich ernsthaft für einen Einstieg in die Politik interessieren, sondern eher ein unwürdiges Spektakel!

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