Europäische Geschichte

Haus der Europäischen Geschichte

Ein Ort, um über Europas Geschichte zu diskutieren, nachzudenken und Fragen zu stellen

Am ersten Mai-Wochenende 2017 ist das «Haus der Europäischen Geschichte» in Brüssel eröffnet worden – am Ende einer zehnjährigen Entstehungszeit! Wenn Sie sich also für die Geschichte Europas interessieren und zufällig in Brüssel sind, dürfte sich ein Besuch in dieser neuen, wichtigen Institution sicher lohnen.

Von Mythen und Entdeckungen bis zum Chaos des 20. Jahrhunderts und der nachfolgenden Annäherung nimmt das Haus der Europäischen Geschichte die Besucher auf eine Reise durch die europäische Geschichte mit und fordert sie auf, über die Zukunft Europas nachzudenken.

Das Haus der Europäischen Geschichte ist im frisch renovierten Eastman-Gebäude im Parc Léopold, mitten im Grünen untergebracht. Seine Ausstellungen werden in allen 24 Amtssprachen der Europäischen Union verfügbar sein. Der Eintritt ist frei. Für Schulen, Familien und Gruppen wird es speziell auf sie ausgerichtete Angebote geben, so dass der Besuch im Haus der Europäischen Geschichte für alle Besucher zu einem faszinierenden Erlebnis wird. (Haus der Europäischen Geschichte)

 ÖFFNUNGSZEITEN

  • Montag: 13.00 bis 18.00 Uhr
  • Dienstag bis Freitag: 00 bis 18.00 Uhr
  • Samstag und Sonntag: 00 bis18.00 Uhr

Das Museum hat an folgenden Tagen geschlossen:
1. Januar, 1. Mai, 1. November, 24., 25. und 31. Dezember.

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«Der Holocaust wird abstrakte Geschichte»

Wie wichtig diese Quellen europäischer Geschichte sind, zeigt unter anderem ein Artikel von Aram Mattioli, Geschichtsprofessor an der Universität Luzern, vom 9. Mai; er hält fest, was es bedeutet, wenn die letzten Überlebenden der Nazi-Konzentrationslager sterben.

Gleichzeitig findet an der ETH Eidgenössischen Technischen Hochschule in  Zürich eine Ausstellung zu diesem Thema statt:

Die Ausstellung

Es existieren keine genauen Zahlen darüber, wie viele Überlebende des Holocaust es heute noch gibt. Gemäss einem Report der jüdischen Claims Conference waren es 2013 weltweit 425 000. Heute soll es in Israel noch rund 250 000 Shoah-Überlebende geben, in der Schweiz zwischen 100 und 300.
Zwölf von ihnen sind in der Ausstellung «The Last Swiss Holocaust Survivors» porträtiert. Fotograf Beat Mumenthaler hat eindrückliche Grossporträts geschaffen, und der Regisseur Eric Bergkraut hat die Erzählungen und Erinnerungen gefilmt.
Unter den letzten Zeugen ist die bekannte Zürcher Literaturagentin Eva Koralnik, die als Kind die Verfolgung dank Schweizer Rettern in Budapest überlebte, ebenso wie Agnes Hirschi, die Stieftochter des Budapester «Judenretters» Carl Lutz. Historiker Daniel Gerson, dessen polnischer Vater im KZ inhaftiert war, vertritt die sogenannte zweite Generation, die unter den Traumata der Eltern zu leiden hatte.
Alle Zeugen sitzen in derselben Kulisse und sprechen, ohne unterbrochen zu werden. Bei jenen, die das Lager überlebt haben, ist es die stets präsente Erinnerung an die Angehöri
gen, die nicht überlebt haben. Und damit die quälende Frage, ob das einem selber eine Schuld auflade. (ckr)

Bis 3. Juni im Archiv für Zeitgeschichte an der ETH Zürich.

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Karlspreis 2017 geht an Timothy Garton Ash

Apropos Historiker: Einer meiner kontemporären Lieblingshistoriker ist Timothy Garton Ash, Professor am St. Anthonys College in Oxford und an der Stanford University an der amerikanischen Westküste und äusserst lesbarer Autor.

Sein jüngstes Buch heisst schlicht «Redefreiheit», empfehlenswerte Lektüre, für die er an verschiedenen Orten der Welt selbst recherchiert hat. “Sein umfangreiches, kluges, gut geschriebenes Buch mit anregenden Vorschlägen dürfte einer der wichtigsten Beiträge zu einem liberalen Miteinander sein,” meint Alexander Kluy in seiner Buchbesprechung für das «Buchmedia» Magazin.

Das Brexit-Votum der Briten hat er als „grösste Niederlage seines politischen Lebens“ bezeichnet. Im Gegensatz zu seinen Landsleuten ist Ash nämlich bekennender Europäer: Dafür wird ihm auch am 25. Mai der «Karlspreis», eine der höchsten Auszeichnungen in Europa, verliehen.

Wenn Sie eine Kostprobe von Timothy Garton Ash lesen wollen, bevor Sie die 736 Seiten seiner «Redefreiheit» in Angriff nehmen, empfehle ich Ihnen das lesenswerte Interview, das Christof Münger im Zürcher «Tages-Anzeiger» vom 21. April gemacht hat: «Diese Wahl ist bereits der Final». Es endet so:

 “Sie bekommen in einem Monat den Karlspreis. Unter den bisherigen Preisträgern sind George Marshall, Winston Churchill oder Angela Merkel sowie zwei Päpste. Was werden Sie bei der Zeremonie in Aachen am 25. Mai sagen?
Das frage ich mich auch, denn es ist eine grosse Ehre, aber auch eine Verpflichtung. Es ist wohl kein Zufall, dass man in diesem Jahr diese Auszeichnung nicht einem Politiker, sondern einem Intellektuellen gibt, und zwar einem englischen Intellektuellen. Von mir wird eine klare und vor allem ehrliche Analyse erwartet. Deren Inhalt hängt aber davon ab, was nun in Frankreich passiert. Deshalb kann ich Ihre Frage noch nicht beantworten.”

Da darf man ja gespannt sein…

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„Eine Scheidung nach 44 Jahren Ehe ist kein Erfolg“

EU_Chefunterhändler für den Brexit: Michel Barnier

Überhaupt: der Brexit. Der ist immer wieder gut für Empörung, Enttäuschung oder düstere Vorhersagen. Dazu ein Beispiel aus der jüngsten Verhandlungsgeschichte:

“Theaterdonner gehört dazu, wenn man sich am Ende möglichst in der Mitte treffen soll. Doch selten sind die Vorzeichen so ungünstig wie vor dem Start der Verhandlungen zwischen Grossbritannien und der Rest-EU über den Brexit. Einige pflegten die Illusion, dass der Brexit ohne materielle Auswirkungen auf das Leben der Europäer sein werde und ­Lösungen einfach gefunden werden könnten, mahnte der EU-Chefunterhändler Michel Barnier gestern an die Adresse der britischen Regierung. Das werde aber nicht der Fall sein.”

Der Franzose schickt diese Warnung nach Grossbritannien, wo Theresa May der EU vorschlägt, aus dem «Brexit» einen gemeinsamen “Erfolg” zu machen, während man in Brüssel von “Schadensbegrenzung” spricht. Jean-Claude Juncker soll zu dem Vorschlag bemerkt haben, eine Scheidung nach 44 Jahren Ehe könne kein Erfolg sein… Ganz offensichtlich sind die Folgen des Austritts auf der britischen Seite noch nicht ganz erfasst worden, und so befinden sich die beiden Parteien zur Zeit voll auf Kollisionskurs.

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Erleichterung  ja, Gewissheit nein

In Frankreich sind wir im Moment der Gefahr des Populismus, von dem wir täglich mindestens eine Dosis von der anderen Seite des Atlantiks bekommen, entronnen.

Aber statt Freude gibt es ungemein viele Stimmen, die vor den nächsten Schritten eines politisch eher unerfahrenen, jungen Präsidenten und einer rücksichtslosen Populistin warnen. «DAS MAGAZIN» (Nr. 14, 8. April 2017) des «Tages-Anzeigers» hat dem Populismus ein ganzes Heft gewidmet: «Frühling der Populisten. Ein sehr politisches Heft».

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Jakob Augstein, Verleger

Rettung der Demokratie durch linken Populismus?

Und der Verleger Jakob Augstein macht einen Vorschlag: den rechten Populismus mit einem linken zu bekämpfen.

Er erläutert seinen Vorschlag zur Rettung der Demokratie in einem Interview mit dem Titel «“Trump, Le Pen und Petry sind böse“ – diese Reaktion ist dumm. Warum nur ein linker Populismus die Demokratie noch vor dem Neoliberalismus und den nationalistischen Rechten retten kann.»

Immerhin ist hier mal jemand, der klar zwischen Rechts und Links unterscheidet:

„Ich halte diesen ewigen Hang, links und rechts gleichzusetzen, für falsch. Für mich macht es einen entscheidenden Unterschied, ob jemand eine positive oder eine negative Vision vorbringt. Ob Sie, wie die Linke, Politik gegen Starke machen oder, wie die Rechte, gegen Schwache. Wer sich in der Politik zusammenschliesst, um gemeinsam einen Widerstand zu überwinden, den ein Einzelner nicht überwinden kann, der hat nur recht, wenn er sich für die Schwachen einsetzt – nicht wenn er sich gegen sie wendet. Darin unterscheiden sich linke und rechte Politik fundamental. Ich finde es ethisch vertretbarer, den Banken Geld wegzunehmen, als dem Syrer, der aus Aleppo geflohen ist, die Einreise zu verweigern. Es ist ethisch und journalistisch nicht lauter, das auf eine Stufe zu setzen.“

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Foto: Hajji Baba

Der Pulsschlag Europas

Der Populismus wird Europa noch lange beschäftigen. Aber er kann auch als Weckruf gelten und etwas ganz anderes bewirken als das, was beabsichtigt ist.

Mit grosser Freude verfolge ich die Bewegung «Pulse of Europe», die der «Süddeutschen Zeitung» eine ganzseitige Reportage wert war: Mit dem fordernden Titel «Platz da» (Print-Version) beleuchtet sie das Engagement junger Deutscher, die einmal pro Woche, am Sonntag, in grösseren deutschen Städten auf die Strasse gehen: „Lange sah man auf Demos vor allem Angstmacher, die nur gegen etwas waren. Jetzt protestiert die Jugend. Für Europa. Für Frieden. Für die Auflösung von Wir und Die.“

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Sehen und hören statt lesen

Noch nicht genug von Europa? Dann führen Sie sich die Sendung «Der Club» im Schweizer Fernsehen zu Gemüte.

Am Europatag 2017 sind dort Befürworter und Gegner der Europäischen Union versammelt und diskutieren, laut und leidenschaftlich, die Zukunft der EU, die ja auch eng mit der Zukunft Europas verbunden ist.

60 Jahre EU: Der «Club» in Brüssel

Die EU hat Geburtstag, nur Partylaune will nicht aufkommen. Zu viele Krisen trüben die Stimmung. Wie steht‘s um das Friedensprojekt zu seinem Sechzigsten? Der «Club» unter der Leitung von Urs Gredig zum ersten Mal im Ausland, am Europatag direkt aus dem Europäischen Parlament in Brüssel.

 

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