Brexit: „I Want my Money (Country, Life) back!“

Nigel Farage, der (ehemalige) Chef von UKIP, ist der bisher Letzte in einer Reihe von Briten, die sich lautstark und dezidiert aus der EU zurückziehen. Das war wohl kaum die Idee einer Europäischen Union, wie sie ursprünglich geplant war… Felix Brun, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Nebs, möchte auch etwas zurückerhalten – was das ist, sehen Sie im Newsletter der Nebs vom 7. Juli 2016:

Liebe Leserin, lieber Leser                                                            

Ja, sie haben es getan: Die Briten sind raus. Oder zumindest möchten sie raus, raus aus der EU, raus aus Europa, raus aus der Geschichte. Kein anderes Land in Europa hat die Globalisierung und die Liberalisierung der Märkte so stark vorangetrieben wie Grossbritannien. Kein anderes Land hat die Mitgliedschaft in der EU an soviele Bedingungen geknüpft wie Grossbritannien. „I want my money back“, verkündete Premierministerin Margaret Thatcher 1984 in Fontainebleau. Sie bekam es. „We want our country back“, riefen die Brexiteers vor der Abstimmung vom 23. Juni. Sie bekamen es. „I want my life back“, meint jetzt Nigel Farage, der (ehemalige) Chef von UKIP und zieht sich aus der Politik zurück.

So macht man das. Doch was ist das für ein Zusammenleben, wenn jeder nur noch für sich selbst schaut, die Grenzen schliesst, sich der Verantwortung verweigert (respektive die Verantwortung auf alle anderen schiebt), sich zurückzieht in sein eigenes, beschauliches Dasein, ganz so, als hätte die Globalisierung nie stattgefunden, ganz so, als wäre das Konzept der Nationalstaaten nicht schon längst überholt? Und wer sind wir, uns ein Urteil zuzumuten? Wir sind ja selber nicht besser! Sind sie nicht unsere Brüder und Schwestern im Geiste, die Briten und Britinnen? Ach, wie schön, das Leben auf der Insel.

Nein! Ich will das nicht. Als ich vor zwei Jahren hier bei der Nebs zu arbeiten angefangen habe, war ich gegenüber der EU sehr skeptisch. Ich bin es auch heute noch. Es gibt vieles, das verbessert werden muss. Ja, die EU muss demokratischer werden. Ja, die EU muss sozialer werden. Ja, die EU muss sich mehr über kulturelle, geistige Werte definieren als über wirtschaftliche Dogmen. Aber sich der EU verweigern? Zurück zum Europa der unmittelbaren Nachkriegszeit, ein Europa der Nationalstaaten, ein Europa der latenten Angst vor dem Nachbar? Nein. Ich will das nicht. I want EU back! Denn, wie heisst es doch so schön in einem Roman von Anna Gavalda: Zusammen ist man weniger allein.

Freundliche Grüsse
Felix Brun
Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Nebs

———-