"An und für sich ein unendliches Vergnügen und ein Genuss"

overhoff-gluck-lernen1 Das Buch von Jürgen Overhoff ist ein wundervolles Plädoyer für Bildung um der Bildung willen, für das Lernen, weil es, wie der Philosoph, Arzt und Hauslehrer John Locke bereits im 18. Jahrhundert befand, „an und für sich ein unendliches Vergnügen und ein unvergleichlicher Genuss“ sei. „Allerdings argumentieren die überzeugendsten und kompetentesten Verfechter eines gesteigerten gesellschaftlichen Lernwillens damals im Grunde völlig anders als die Mehrheit der heutigen Bildungspolitiker. Denn gerade den pädagogisch ambitioniertesten und einflussreichsten Aufklärern ging es zuerst und wesentlich darum, das Lernen als eine grosse Verheissung darzustellen. Verheissungsvoll schien ihnen dieAktivität des Lernens deswegen zu sein, weil […] der Mensch nur durch seine beständige Weiterbildung dazu befähigt würde, die in ihm angelegten intellekturellen und emotionalen Möglichkeiten zur vollen Entfaltung zu bringen, sein Leben sinnvoll zu meistern und damit seiner Bestimmung gerecht zu werden. Erst als ein sich über seine Welt immer neu verständigender Lernender würde sich der Mensch seines Daseins recht erfreuen können.“ (S. 14f.)

Das 18. Jahrhundert wird nicht umsonst das «Zeitalter der Aufklärung» genannt. Zu den Autoritäten, die den Wert der Bildung für alle erkannt haben, gehören u.a. nicht nur die Schweizer Johann Jakob Bodmer und Jean-Jacques Rousseau sowie Geistesgrössen wie Immanuel Kant und Moses Mendelssohn, sondern auch eine der ersten Kämpferinnen für Chancengleichheit, die Britin Mary Wollstonecraft. Sie alle sind repräsentativ für jenes Jahrhundert – das „lernbesessene Jahrhundert“, das Jahrhundert, in dem Lernen als Verheissung empfunden wurde!